Zeitarbeit - Wissen

  • Wer? Was? Wie? und warum überhaupt?
  • Lexikon der Zeitarbeit

1. Was ist Zeitarbeit und wozu brauche ich das?

Zeitarbeit oder auch Leiharbeit genannt, ist eine besondere Beschäftigungsform, die es Unternehmen ermöglicht, ihre Tätigkeiten flexibel zu gestalten sowie schnell und effektiv auf die verschiedenen wirtschaftlichen Anforderungen reagieren zu können. Die Zeitarbeitnehmer können aus dieser Form der Beschäftigung profitieren, indem sie einen schnellen (Wieder-) Einstieg in den Arbeitsmarkt finden können, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten verbessern können und somit durch nachweisbare Praxiserfahrungen ihre beruflichen Chancen verbessern können. Ihr Arbeitseinsatz erfolgt immer dort, wo ihre Qualifikationen tatsächlich gebraucht werden. Zeitarbeitnehmer arbeiten in allen wichtigen Wirtschaftsbranchen in Deutschland. Hierzu zählen unter anderem die Metall- und Elektroindustrie, die Dienstleistungsbranche und auch das verarbeitenden Gewerbe.

Für Zeitarbeitnehmer bietet Zeitarbeit eine Vielzahl an Chancen:

  • Berufsanfänger, Hochschulabsolventen, hochqualifizierte und erfahrene Ingenieure oder arbeitssuchende Personen haben durch die Zeitarbeit beste Chancen für den (Wieder-)Eintritt in die Arbeitswelt.
  • Auch wer sich beruflich umorientieren möchte, kann sich als Zeitarbeitnehmer verschiedene Unternehmen anschauen.
  • Nach längerer Berufspause (aus welchen Gründen auch immer) können Frauen und Männer den Wiedereinstieg ins Berufsleben schaffen.
  • Weitere berufliche Qualifikationsmöglichkeiten unter realen Bedingungen des Arbeitslebens werden geschaffen.
  • Insbesondere älteren arbeitsuchenden Personen kann durch Zeitarbeit eine neue Aussicht in der Arbeitswelt eröffnet werden
  • Zeitarbeitnehmer genießen auch uneingeschränkten Schutz nach dem allgemeinen deutschen Arbeitsrecht. Es gibt kein gesondertes Kündigungsrecht speziell für die Zeitarbeitsbranche. Es droht auch kein "sozialer" Abstieg, da das Arbeitsverhältnis in der Regel sozialversicherungspflichtig ist und die Bezahlung auf tarifvertraglichen Vereinbarungen beruht.

2. Wer beschäftigt denn nun wen?

...und was hat es mit dem Dreiecksverhältnis auf sich?

Zeitarbeitnehmer sind bei dem Zeitarbeitsunternehmen (z.B. der ZKH Ostbrandenburg GmbH) fest angestellt. Der Arbeitseinsatz erfolgt dann jedoch in einem anderen Betrieb, dem Entleiher- bzw. Kundenbetrieb. Dies lässt sich mit der Arbeit auf verschiedenen Baustellen vergleichen. Auch hier ist man nicht in der Betriebsstätte des Arbeitgebers tätig, sondern je nach Auftrag an verschiedenen Orten bzw. auf verschiedenen Baustellen. Diese Konstellation – Zeitarbeitnehmer, Zeitarbeitsunternehmen und Einsatzbetrieb – wird als Dreiecksverhältnis bezeichnet. Der Entleiher schließt einen Arbeitnehmerüberlassungsvertrag mit dem Zeitarbeitsunternehmen. Hierin werden insbesondere die Art der Tätigkeit, die Dauer der Überlassung sowie die vom Entleiher zu zahlende Vergütung vereinbart. Diese Vereinbarungen haben jedoch, entgegen weitverbreiteter Meinung, keinerlei Einfluss auf das Arbeitsverhältnis zwischen dem Zeitarbeitnehmer und dem Zeitarbeitsunternehmen. Vielmehr sind die Zeitarbeitnehmer bei ihrer Zeitarbeitsfirma fest angestellt und haben mit diesem ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis. Dieses unterliegt in der Regel auch einem Tarifvertrag, dass heißt Regelungen die von den Tarifparteien ausgehandelt und nicht einseitig diktiert worden sind. Aus diesem Beschäftigungsverhältnis folgt auch der Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sowie der Urlaubsanspruch. Hier gelten die allgemeinen Regelungen wie bei sonstigen Arbeitsverhältnissen auch.

Das Zeitarbeitsunternehmen sucht für ihre Arbeitnehmer, also den Zeitarbeitnehmern entsprechende Einsatzorte, die vor allem ihren Qualifikationen entsprechen und ihren Leistungen und Fähigkeiten gerecht werden. Hierbei ist eine Vermittlung in eine Festanstellung beim Entleiher ebenfalls möglich.

3. Was bekomme ich von wem bezahlt?

Zeitarbeitnehmer sind beim Zeitarbeitsunternehmen angestellt und werden auch von diesem bezahlt. Bei dem Vertrag zwischen dem Zeitarbeitnehmer und dem Zeitarbeitsunternehmen handelt es sich um ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis, dass dem allgemeinen deutschen Arbeitsrecht unterliegt und auch keine besonderen Kündigungsrechte oder dergleichen begründet. Bei entsprechenden Vereinbarungen besteht auch eine Tarifbindung. Der Lohn wird monatlich fest gezahlt. Die Höhe folgt aus den vertraglichen Vereinbarungen, in der Regel also der tariflichen Festlegung.

4. Warum leihen Unternehmen Zeitarbeiter?

Die Entscheidung für den Einsatz von Zeitarbeitnehmern kann verschiedene Gründe haben. Festhalten lässt sich in jedem Fall, dass die Arbeitnehmerüberlassung für ein modernes, innovatives und flexibles Personalmanagement unabdingbar ist. Zeitarbeit bietet dem Kundenbetrieb bei Personalengpässen (z.B. bei Auftragsspitzen, Termindruck, Urlaubsausfällen) schnelle und flexible Einsatzkräfte mit entsprechendem Know-how. Des Weiteren kann der Kunde die Kosten fest kalkulieren. Etwaige „Zusatzkosten“ wie Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder Urlaub sind durch ihn nicht zu tragen. Diese Kosten übernimmt das Zeitarbeitsunternehmen gegenüber seinen Angestellten.
Dies ist insbesondere für KMU-Betriebe ein immenser finanzieller Vorteil. Der Entleiher muss auch keine kosten- und zeitintensive Suche von geeigneten Mitarbeitern vornehmen. Das Zeitarbeitsunternehmen stellt ihm vielmehr die entsprechend qualifizierten Arbeitnehmer zur Verfügung. Ein weiterer Vorteil für Unternehmen besteht darin, dass die Personalplanung erheblich erleichtert wird und zugleich durch den Einsatz von Zeitarbeitnehmern dessen Fähigkeiten getestet werden können. Für den Kunden eröffnen sich hierdurch neue Rekrutierungspotenziale und für den Zeitarbeitnehmer Chancen auf eine Übernahme.

5. Bin ich für das Alter trotzdem abgesichert?

Ja. Da sich der Zeitarbeitnehmer aufgrund des Arbeitsvertrages mit dem Zeitarbeitsunternehmen in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis befindet, sind sämtliche Beiträge wie bei „normalen“ Arbeitsverhältnissen durch den Arbeitgeber abzuführen. Dass heißt, dass insbesondere sowohl die Rentenversicherungs-, die Krankenkassen- als auch die Sozialversicherungsbeiträge uneingeschränkt abgeführt werden. Hier gibt es keine Einschränkungen gegenüber anderen Anstellungsverhältnissen.

Themen aus der Zeitarbeit. Kurz und kompakt erklärt.

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Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) Gleichbehandlungsgesetz oder auch Antidiskrimminierungsgesetz genannt. Es ist ein Bundesgesetz, das Arbeitnehmer vor Benachteiligungen jeglicher Art schützt.
Arbeitnehmerüberlassung
(Zeitarbeit)
Bei der Arbeitnehmerüberlassung überlässt das Zeitarbeitsunternehmen seinen Arbeitnehmer einem dritten Unternehmen - dem sogenannten Entleiher. Der Arbeitnehmer stellt diesem Unternehmen seine Arbeitskraft zur Verfügung, bleibt aber weiterhin Arbeitnehmer des Zeitarbeitsunternehmens.
Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) Das AÜG ist die Grundlage der Arbeitnehmerüberlassung. Es regelt die Voraussetzungen unter denen ein Arbeitnehmer überlassen werden darf. Es dient dem Schutz des Mitarbeiters. Die Agentur für Arbeit sowie der ZOLL überprüfen die Einhaltung des AÜG sehr streng.
Arbeitsvertrag Der Arbeitvertrag enthält alle gesetzlichen & tariflichen Rechte und Pflichten eines Arbeitnehmers im Zeitarbeitsunternehmen. Durch eine Einsatzanweisung werden in der Regel Detailfragen zum Kundeneinsatz geregelt. Er dient als Anlage zum Arbeitsvertrag.
Arbeitszeitkonto Ein Arbeitszeitkonto wird in vielen Betrieben geführt und ermöglicht eine flexible Verteilung der Arbeitszeit.
Drehtürklausel Die Drehtürklausel beschreibt eine Regelung die durch den Gesetzgeber eingeführt wurde um zu verhindern, dass Arbeitgeber ihre Mitarbeiter entlassen und kurze Zeit darauf mit veränderten Konditionen über Zeitarbeitsunternehmen wieder im Unternehmen beschäftigen.
Entleiher und Verleiher Im Zusammenhang mit der Zeitarbeit fallen oft die Begriffe "Entleiher" und "Verleiher". Der Verleiher überlässt den Arbeitnehmer einem dritten Unternehmen, dem Entleiher. Der Enteiher setzt den Leiharbeitnehmer ein und ist ihm gegenüber weisungsberechtigt.
Equal Pay "Equal Pay" heißt soviel wie "gleiche Bezahlung" und steht für die finanzielle Gleichstellung eines Arbeitnehmers gegenüber Mitarbeitern des Betriebes in den der Arbeitnehmer verliehen wurde.
Gleichbehandlungsgesetz (AGG) Gleichbehandlungsgesetz oder auch Antidiskrimminierungsgesetz genannt. Es ist ein Bundesgesetz, das Arbeitnehmer vor Benachteiligungen jeglicher Art schützt.
Mindestlohn Mindestlöhne sind, durch den Bundeswirtschaftsminister für allgemeinverbindlich erklärte Tarifentgelte, die eine Untergrenze für die Entlohnung eines Arbeitnehmers in der jeweiligen Branche regeln. Ziel der Mindestlöhne ist es, ein angemessenes Einkommensniveau festzulegen und einen Unerbietungswettbewerb zu verhindern.
Outsourcing Unter "Outsourcing" versteht man "Auslagerung" - die komplette Auslagerung von Abteilungen oder speziellen Aufgaben an Dritte. Oft wird solch eine Auslagerung über Dienst- oder auch Werkverträge realisiert.
Personaldisponent Der Personaldisponent ist das Bindeglied zwischen dem Kundenbetrieb (Entleiher) und dem Arbeitnehmer des Zeitarbeitsunternehmens (Verleiher). Er ist zugleich direkter Vorgesetzter des Arbeitnehmers und koordiniert (disponiert) seine Einsätze.
Personalvermittlung Bei der Personalvermittlung werden gezielt Fachkräfte für ein bestimmtes Unternehmen rekrutiert. Der Personalvermittler sucht dann auf Anfrage des Unternehmens nach diesen Fachkräften und vermittelt sie auf die Stelle in dem bestimmten Unternehmen.
Sprungbrett Die Zeitarbeit ist für viele Arbeitsuchende eine ideale Möglichkeit, einen Einstieg oder Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu realisieren. Sie haben die Möglichkeit, sich einen Namen zu machen und so zu einem späteren Zeitpunkt von betrieblichen Übernahmen (auch "TempToPerm" genannt) zu profitieren.
Tarifvertrag Ein Tarifvertrag ist ein bürgerlich-rechtlicher Vertrag zwischen Parteien mit Tariffähigkeit zur Regelung ihrer Rechten und Pflichten und zur Festsetzung von arbeitsrechtlichen Normen. Ein Tarifvertrag kann durch den Bundeswirtschaftsminister für allgemeinverbindlich erklärt werden. Ist er nicht für allgemeinverbindlich erklärt worden, ist die Anwendung jedoch nur für Partner des Tarifvertrages zwingend.
Temp To Perm "Temp To Perm" heißt soviel wie: "Temporär zu Permanent"
Ein "temporär" eingesetzter Leiharbeitnehmer wird durch den Entleihbetrieb übernommen und wird so ein "permanenter" Mitarbeiter des einstigen Entleihbetriebes.
Unbedenklichkeitsbescheinigung Diese gibt es von Krankenkassen, Berufsgenossenschaften oder Finanzämtern. Dieses Dokument bescheinigt, dass ein Unternehmen in der Vergangenheit allen Zahlungsverpflichtungen ordnungsgemäß nachgekommen ist.
Verleiher & Entleiher Im Zusammenhang mit der Zeitarbeit fallen oft die Begriffe "Entleiher" und "Verleiher". Der Verleiher überlässt den Arbeitnehmer einem dritten Unternehmen, dem Entleiher. Der Enteiher setzt den Leiharbeitnehmer ein und ist ihm gegenüber weisungsberechtigt.
verleihfreie Zeiten Verleihfreie Zeiten sind Zeiten, in denen der Arbeitnehmer keinen Einsatz vom Zeitarbeitsunternehmen zugewiesen bekommen kann. Er bekommt in dieser Zeit sein Gehalt inklusive aller Sozialleistungen weiter ausbezahlt.
Weisungsrecht Ein Leiharbeitnehmer unterliegt einem Weisungsrecht über Art und Form seiner Arbeitsinhalte sowie Ort und Zeit der Erbringung. Arbeits- und sozialrechtlich ist der Zeitarbeitnehmer jedoch nach wie vor dem Zeitarbeitsunternehmen zugeordnet.
Werksvertrag Das Auftragnehmerunternehmen verpflichtet sich gegenüber dem Auftraggeberunternehmen zur Herstellung eines bestimmten Werks gegen Zahlung einer vereinbarten Vergütung - auch Werkslohn genannt. Die Vertragsgrundlage ist bei dieser Vertragsart nicht die Tätigkeit, sondern die Erbringung eines bestimmten Arbeitsergebnisses.
Zeitarbeitnehmer Für Zeitarbeitnehmer gelten die gleichen Rechte und Pflichten wie für jeden anderen Arbeitnehmer auch!

- gesetzlicher Kündigungsschutz
- gesetzliche Lohnfortzahlung im Krankheitsfall
- gesetzlicher Urlaubsanspruch (gestaffelt von 24 bis 30 Tagen im Jahr)
- gesetzlicher Arbeitsschutz
- volle Sozialversicherungspflicht